Monitoring_Sachsen-Anhalt
©: Landesamt für Umwelt Sachsen-Anhalt

Monitoringbericht Wolf Sachsen-Anhalt 2020/21 ist veröffentlicht

Als erstes Bundesland kommt Sachsen-Anhalt ums Eck und veröffentlich den Monitoringbericht für das abgeschlossene MJ 20/21. Diese jährlichen Monitoringberichte der einzelnen Bundesländer (so sie denn veröffentlicht werden) liefern immer wieder spannende Einblicke in das Wohnzimmer von „Familie Wolf“. Nachfolgend einige Auszüge aus dem Monitoringbericht des Landes Sachsen-Anhalt für das abgeschlossene Monitoringjahr 2020/21

Im Monitoringjahr 2020/21 verteilen sich die Territorien wie folgt

  • 22 Rudel
  • 3 Paare
  • 0 Einzeltiere

Insgesamt gab es 69 Welpen, 24 Jährlinge und 9 Tiere, bei denen das Alter nicht festgestellt werden konnte. Daraus errechnen sich 150 Wölfe in Sachsen-Anhalt im MJ 20/21. Von diesen Zahlen ausgehend ergibt sich eine Zahl von durchschnittlich 3 Welpen und 7 Tieren pro Rudel. (Wer rechnen kann, weiß, das es eigentlich 152 Tiere insgesamt sein müssten. Wo da der Fehler liegt muss uns dann mal das WZI erklären).

Hier nun (weitestgehend) ohne weitere Bemerkungen einige interessante Auszüge aus dem Bericht …

Allgmeine Vorbemerkungen

  • Störungen durch den Menschen

„Einige Territorien zeigten erneut hohe genetische Fluktuation, deren Ursache unbekannt ist, aber für die anthropogene Störungen sicher mitverantwortlich sind (z.B. Verkehrsmortalität, illegale Abschüsse). Besonders deutlich wurde das anhand der Neuetablierung des Territoriums Colbitz-Letzlinger Heide nach dem illegalen Abschuss des Territoriuminhabers. Dieser hatte langjährig sein Gebiet erfolgreich gegen fremde Wölfe verteidigt, ohne krankheitsbedingt selbst Nachwuchs zeugen zu können. Mit dem illegalen Abschuss dieses Rüden wurde der Weg für ein neues Rudel frei, welches nun erfolgreich reproduzierte und somit die Anzahl der Wölfe spürbar erhöhte.“

  • Statistische Berechnung Welpen/ Rudel

„Festgestellt wurde die statistische Annäherung der durchschnittlichen jährlichen Zahl der Welpen pro Rudel an den Wert drei, was vermutlich der Kapazitätsgrenze in Sachsen-Anhalt entspricht und auf den arteigenen, funktionierenden natürlichen Regulationsmechanismus verweist.“

  • Mitarbeit der Bevölkerung (passives Monitoring)

„Auch ist es möglich – und das zeigte sich in diesem Monitoringjahr -, dass Vorkommen trotz des intensiven Monitorings erst zeitversetzt entdeckt werden, weil z.B. die Anwesenheit der Tiere nicht bemerkt oder nicht gemeldet wird. Deshalb wird erneut darum gebeten, möglichst alle Wolfshinweise zeitnah an das WZI zu melden.“

  • Herdenschutz funktioniert

„In diesem Jahr bemerkenswert ist die positive Entwicklung bei den Nutztierrisszahlen. Sowohl die Zahl der Übergriffe als auch die Anzahl getöteter/verletzter Tiere ging trotz steigender Wolfspopulation spürbar zurück. Mindestens teilverantwortlich sind neben möglichen unbekannten Faktoren die Wahrnehmung der Fördermöglichkeiten des Landes für Maßnahmen des Herdenschutzes vor dem Wolf durch die Nutztierhalter, aber auch eine intensivierte Beratung/Begleitung durch alle Akteure, die sich mit dem Thema Herdenschutz beschäftigen. Bei den meisten Vorfällen waren trotzdem fehlender Untergrabungsschutz bzw. Mängel in Zaunführung und Elektrifizierung auszumachen, so dass ein Eindringen von Wölfen in die Herden zu einfach möglich war.“

Zu den einzelnen Territorien

  • Rudel Colbitz-Letzlinger Heide (CLH)

„Aufgrund des illegalen Abschusses des ehemaligen (krankheitsbedingt unfruchtbaren) Territorieninhabers wurde der Weg für eine neue Rudelbildung freigemacht. Das Territorium bestand seit 2012/13 und wurde seit langem aufgrund fehlender Reproduktion als Paarterritorium geführt. Von den beiden Alttieren, die mindestens seit 2012/13 auf dem TÜP anwesend waren, wurde der Rüde illegal erschossen, die Fähe hat sich nun deshalb neu verpaart und erstmalig seit sechs Jahren wieder Welpen aufgezogen.“ (Anmerkung: 5 Welpen)

  • Rudel Coswig (CO)

„Das Rudel existiert mindestens seit dem Monitoringjahr 2015/16, nun allerdings schon in der dritten nachweisbaren genetischen Verpaarung. Die Verschiebung des Territoriums und die Verpaarungswechsel sind Indizien für den bestehenden Druck von außen auf das Gefüge.“

  • Rudel Havelberg (HVB)

„Die im Vorjahr schwerwiegenden Räudeinfektionen blieben in diesem Jahr aus. Vermutlich, weil es hier eine vollständige Neuverpaarung gegeben hat. Was aus den Vorgängern geworden ist und warum das Territorium von ihnen verlassen wurde, ist unklar, sie wurden nicht wiedergefunden. Möglicherweise sind sie der Räude erlegen oder wurden von den Nachfolgern verdrängt.“

  • Rudel Oranienbaumer Heide (OH)

„Wieder wurden schwere Räudefälle bei mehreren Tieren des Rudels bekannt. In der Umgebung wurden im Januar/Februar 2021 bei strengen Nachfrösten (-18°C) zwei Fälle von schutzsuchenden Wölfen in privaten Pferde-Offenställen bekannt. In beiden Fällen gab es keine Nutztierübergriffe, vielmehr suchten die von Räude gekennzeichneten Jungwölfe in selbst angelegten Strohnestern Witterungs- und Kälteschutz. Beide Vorfälle wurden sofort dem WZI gemeldet. Eines der Tiere erfror unweit des zuvor aufgesuchten Pferdestalles, der Verbleib des zweiten Tieres ist unklar“

  • Rudel Tangersdorfer Heide (TH)

„Einer der diesjährigen Welpen verunglückte vermutlich aufgrund einer Treibjagd auf einer direkt angrenzenden Straße tödlich.“

  • Rudel Zichtau-Klötzer Forst (ZKF)

„Das Bestehen des Territoriums ist seit 2014 belegt. Kennzeichnend für das Gebiet ist eine hohe genetische Fluktuation. Die dritte Verpaarung wurde erneut genetisch nachgewiesen. Außerdem werden regelmäßig gebietsfremde Individuen (vermutlich Durchwanderer) gefunden.“

Unklare Gebiete

  • Harz

„Bis zum Ende des Monitoringjahres reichte die Datenlage aber noch nicht aus, hier eine Territorialität sicher zu belegen. Es wird aber erwartet, dass eine Etablierung in dieser grenzübergreifenden Region zwischen Ilfeld und Stiege in Kürze möglich ist.“ (Anmerkung: jetzt (MJ 21/22) durch Paarbildung im Südharz bestätigt)

  • Schorstedt/ Altmark

„Aufmerksamkeit erregte die Region um Schorstedt, nahe der Stadt Bismark in der Altmark eigentlich erst durch die Meldung eines Höhlenfundes mit Welpensichtung bei der Rapsernte im Juli 2021. In unmittelbarer Nachbarschaft zu einem größeren Waldkomplex wurde eine offensichtlich benutzte Höhle gefunden. Da es während der Ernte eine (leider bisher nicht belegbare) Sichtung von vier Welpen gegeben haben soll und frische Spuren auf die Anwesenheit von mindestens einem Wolf bei der Nachsuche zu der Meldung hinwiesen, muss da- von ausgegangen werden, dass es im Monitoringjahr 2020/21 im Umfeld schon mindestens ein Paar gegeben haben muss.“

Wer den kompletten Statusbericht lesen möchte findet ihn bei den Monitoringberichten.

2 Kommentare

  1. Betrifft der Berechnung :
    152 Adulte Wölfe ?
    2 Wölfe , das Paar aus der
    Lausiger Mark war ein supaldultes
    Paar .
    Deshalb nur 150 Adulte .

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